Salzburger Festspiele
Das Programm 2012 der Salzburger Festspiele bricht alle Rekorde. Unter der Intendanz von Alexander Pereira gibt es in den drei Sparten Oper, Konzert und Schauspiel 256 Veranstaltungen an 16 Spielorten.
Alexancer Pereira zu den Salzburger Festspielen 2012
Ich bin überzeugt, dass ein Festspiel jedes Jahr einmalig sein sollte. Das heißt, dass die Premieren nur in dem jeweiligen Jahr gespielt werden. Dies wird die Erwartungshaltung auf jedes Festspieljahr wesentlich steigern. Wiederaufnahmen, die ich im Einzelfall nicht ausschließen möchte, machen für mich nur dann Sinn, wenn das gleiche Team, das die Aufführung erarbeitet hat, diese auch weiter betreut.

Foto: © Luigi Caputo
Selbstverständlich ist es so, dass die Konzentration auf Neuproduktionen für die großen Dirigenten äußerst attraktiv ist – insbesondere in den Projekten mit den Wiener Philharmonikern. Ich plane, dieses Orchester durch vier Opernpremieren und fünf verschiedene Konzertprogramme ins Zentrum der Festspiele zu stellen. Ich bin deshalb sehr dankbar, dass sich das Orchester – als ich die Pläne der ersten drei Jahre präsentierte – sofort bereit erklärt hat, einen neuen Vertrag abzuschließen, der seine Präsenz in Salzburg deutlich erhöht.
Ich sehe es als eine wesentliche Aufgabe der Salzburger Festspiele, im Bereich der zeitgenössischen Musik wichtige Signale zu setzen und möchte von 2013 bis 2016 jährlich eine Opern-Uraufführung auf die Bühne bringen. Da wir heute diese vier
Auftragskompositionen bereits vergeben und durch Beiträge von Sponsoren finanziert haben, sind wir diesem Wunsch deutlich näher gekommen.
Im Konzertbereich werden wir die außergewöhnliche Linie unserer Vorgänger in Bezug auf das Engagement für zeitgenössische Musik fortsetzen. In diesem Jahr heißen die Schwerpunkt-Komponisten Bernd Alois Zimmermann – mit der Aufführung seiner Oper Die Soldaten und den Konzerten um diese Oper herum –, Heinz Holliger, der zwei Auftragswerke für diesen Festspielsommer komponiert, sowie Witold Lutoslawski, dessen Werke u.a. von den Berliner Philharmonikern und dem Cleveland Orchestra präsentiert werden.
Einen neuen Schwerpunkt möchte ich in Salzburg mit geistlicher Musik setzen. Die Idee zu dieser Ouverture spirituelle, zu der ich sie schon fünf Tage früher nach Salzburg bitte, ging gewissermaßen von der Stadt selbst aus, die mit ihren wunderschönen Kirchen geradezu prädestiniert dafür ist, den liturgischen Werken, die zunächst aus den ihnen zugedachten sakralen Räumen in den Konzertsaal verbannt und von dort immer mehr an den Rand gedrängt wurden, wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Und viele namhafte Dirigentenpersönlichkeiten wie Sir John Eliot Gardiner, der zum Auftakt auf meinen persönlichen Wunsch Haydns Creation dirigiert, sowie Claudio Abbado, den wir mit dieser Programmidee wieder nach Salzburg zurückholen können, haben uns dabei unterstützt. Für Nikolaus Harnoncourts Aufführung von Mozarts Missa longa werden die alten Gobelins aus der Entstehungszeit dieser Werke wieder im Dom aufgehängt und somit die ursprüngliche Akustik wiederhergestellt.
Wir wollen uns aber nicht nur auf die katholische und protestantische Tradition beschränken, sondern in jedem Jahr eine andere Konfession und deren Musik zu uns einladen und in Diskussionsveranstaltungen nicht nur das Thema Musik und Religion, sondern auch das Verhältnis der Konfessionen untereinander miteinander erörtern. Im Jahr 2012 soll die jüdische Religion im Vordergrund stehen.
Ebenbürtig neben den Opern- und Konzertveranstaltungen steht natürlich das Schauspielprogramm, das sich Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf ausgedacht hat. Es war mir ein großes Anliegen, meine Festspieljahre mit ihm zusammen erleben zu dürfen. Er hat sich mit der gleichen Begeisterung wie ich auf seine neue Aufgabe gestürzt, und ich bin sicher, dass sich dieser großartige Schauspieler und Regisseur auch als ein höchst erfindungsreicher Schauspiel-Intendant erweisen wird.
Ouverture spirituelle
Die Ouverture spirituelle, in der geistliche Werke aus der Feder katholischer und protestantischer Komponisten jedes Jahr auf solche einer anderen Weltreligion treffen werden, wird durch eine von John Eliot Gardiner dirigierte Creation von Joseph Haydn eröffnet. Im Auftaktjahr 2012 wird zudem der jüdische Glaube, prominent vertreten mit drei Konzerten des Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta, fokussiert.
Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte
Der Erfolg eines Intendanten der Salzburger Festspiele wird auch daran gemessen, ob er beispielhafte Mozart-Aufführungen zustande bringt. Aus mehreren Gründen war die Entscheidung, mit Mozarts Zauberflöte zu beginnen, zwingend: An erster Stelle stand die Zusage von Nikolaus Harnoncourt, in diesem Sommer die Mozart-Produktion zu übernehmen und diese auf historischen Instrumenten zu erarbeiten.
Harnoncourt wird die Zauberflöte erstmalig in der Klangwelt des Concentus Musicus Wien und erstmals in Salzburg zu Gehör bringen. Gezeigt wird die Neuproduktion in der Felsenreitschule. Die Inszenierung übernimmt Jens-Daniel Herzog, das Bühnenbild gestaltet Mathis Neidhardt, die die Architektur des Raumes aufgreifen und miteinbeziehen.
Es singen u.a.: Julia Kleiter und Bernard Richter (Pamina / Tamino), Mandy Fredrich (Königin der Nacht), Georg Zeppenfeld (Sarastro), Elisabeth Schwarz und Markus Werba (Papagena / Papageno).
Das Labyrinth oder der Kampf mit den Elementen – Zauberflöte Teil 2
2012 jährt sich der Todestag von Emanuel Schikaneder zum 200. Mal. Dieser gab dem damals in Wien hoch gefeierten bayerischen Komponisten Peter von Winter das Werk zur Komposition. Regisseurin Alexandra Liedtke und Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt zeigen die seinerzeit ungeheuer erfolgreiche Oper in Anknüpfung an die Tradition als Volkstheater im Residenzhof, der zu diesem Zweck eine neue mobile Überdachung erhält.
Ivor Bolton dirigiert das Mozarteumorchester Salzburg und den Salzburger Bachchor. Die Sänger sind u.a.: Malin Hartelius und Michael Schade (Pamina / Tamino), Julia Novikova (Königin der Nacht), Christof Fischesser (Sarastro).
Richard Strauss: Ariadne auf Naxos
Die erste Opernpremiere der Wiener Philharmoniker zeigt ein bekanntes Werk in ungewohntem Gewand. Richard Strauss' Ariadne auf Naxos in der Urfassung. Die Kombination von Oper, Schauspiel und Ballett, wie sie die "Ur-Ariadne" aufweist, ist sicherlich nur im Rahmen eines Festivals möglich. Sven-Eric Bechtolf führt Regie in der Ausstattung von Rolf und Marianne Glittenberg und hat Molières Schauspiel Der Bürger als Edelmann, das der Oper damals vorausging, nicht nur adaptiert, sondern auch die nachkomponierte Ballettmusiken wieder eingefügt, die Heinz Spoerli choreographieren wird.
Am Pult ist Daniel Harding. Es singen und spielen u.a.: Emily Magee (Primadonna/Ariadne), Elena Mosuc (Zerbinetta), Jonas Kaufmann / Roberto Saccà (Tenor/Bacchus), Peter Matic (Haushofmeister), Thomas Frank (Der Komponist), Michael Rotschopf (Hofmannsthal).
Giacomo Puccini: La Bohème
2012 wird Puccinis Oper zur Erstaufführung bei den Salzburger Festspielen gelangen und es soll ein glanzvolles Debüt sein: Daniele Gatti dirigiert die Wiener Philharmoniker, das Sängerensemble um Anna Netrebko und Piotr Beczala ist Massimo Cavalletti, Nino Machaidze, Carlo Colombara und Alessio Arduini. Für die szenische Umsetzung zeichnet der junge italienische Regisseur Damiano Michieletto mit seinem Team. Koproduziert wird La Bohème mit Salzburgs Partnerstadt Shanghai und dessen Grand Theatre.
Bernd Alois Zimmermann: Die Soldaten
Mit großer Intensität hat sich Ingo Metzmacher immer wieder mit dieser "Jahrhundert-Oper" auseinandergesetzt und wird diese erstmals dirigieren. Inszenieren wird der lettische Regisseur Alvis Hermanis, der zu den wichtigsten internationalen Theaterschaffenden der Gegenwart gehört.
Es spielen die Wiener Philharmoniker.
Georg Friedrich Händel: Giulio Cesare in Egitto
Als letzte szenische Oper dieses Sommers gelangt die für die Pfingstfestspiele 2012 von Moshe Leiser und Patrice Caurier neu inszenierte Händel-Oper Giulio Cesare auf die Bühne. An der Seite von Cecilia Bartoli singen die beiden Countertenöre Andreas Scholl und Philippe Jaroussky sowie Anne Sofie von Otter. Giovanni Antonini dirigiert seinen Giardino Armonico.
Georg Friedrich Händel: Tamerlano
Mit Händels Meisterwerk Tamerlano wird eine zweite Barockoper präsentiert. Plácido Domingo übernimmt die Partie des Bajazet. Erstmals wird er dafür mit einem Originalklangensemble zu hören sein: den Musiciens du Louvre, geleitet von Marc Minkowski. Die Titelpartie singt Bejun Mehta.
Wolfgang Amadeus Mozart: Il re pastore
Mit Il re pastore steht eine der weniger bekannten Mozart-Opern auf dem Programm. William Christie wird sie mit dem Orchestra La Scintilla der Oper Zürich zur Aufführung bringen, wo sie im Sommer 2011 gezeigt wurde. Nicht zuletzt die Gestaltung der Partie Alexander des Großen durch Rolando Villazón hat Intendant Alexander Pereira überzeugt, dieses Kleinod im Haus für Mozart auf die Bühne zu bringen.
Wiener Philharmoniker, Riccardo Muti, Bernard Haitink
Die Wiener Philharmoniker bilden mit vier Opernproduktionen und ihrem Konzertzyklus das Zentrum der Salzburger Festspiele. Ihre Konzerte führen sie diesmal nicht nur ins Große Festspielhaus, sondern – in kleiner Besetzung – auch in den Großen Saal des Mozarteums.
Riccardo Muti nimmt sich neben den symphonischen Dichtungen Les Préludes und Von der Wiege bis zum Grabe von Franz Liszt der Messe solennelle des erst 20-jährigen Hector Berlioz an: Obwohl dieser behauptete, er hätte die Partitur bis auf einen Satz zerstört, wurde 1992 eine Abschrift des Werks entdeckt.
Mit zwei musikalischen Meilensteinen kehrt Bernard Haitink nach Salzburg zurück. Beethovens Viertes Klavierkonzert ermöglicht ein Wiedersehen mit dem amerikanischen Pianisten Murray Perahia, dem 2011 der Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik verliehen wurde. Der zweite Teil des Konzerts gilt Bruckners unvollendet gebliebener Neunter Symphonie.
Salzburg Contemporary
Im Mittelpunkt der Reihe Salzburg Contemporary wird jeweils der Komponist stehen, der von den Salzburger Festspielen ab 2013 mit einem Opernauftrag betraut ist. Rund um die Uraufführung werden dessen Werke in größerem Rahmen vorgestellt und von anderen Komponistenpersönlichkeiten aus dem Umfeld flankiert. 2012 liegt der Schwerpunkt auf Bernd Alois Zimmermann, Witold Lutoslawski und Heinz Holliger.
Antonín Dvořák
Die D-Dur-Messe von Antonín Dvořák bildet den Auftakt zu unserer Reihe "Über die Grenze". Es wird eine Brücke vom geistlichen zum weltlichen Schaffen dieses großen Komponisten geschlagen.
Ludwig van Beethoven
Beethovens drei Konzerte für Klavier und Orchester Nr. 3, 4 und 5 musizieren: Radu Lupu mit Christoph Eschenbach und dem Schleswig-Holstein Festival Orchester, Murray Perahia als Solist mit den Wiener Philharmonikern unter Bernard Haitink und Rudolf Buchbinder mit Zubin Mehta und dem Israel Philharmonic Orchestra.
Maurizio Pollini ist mit Beethovens drei letzten Klaviersonaten zu erleben. Wie bereits erwähnt, beginnt das Hagen Quartett in diesem Sommer mit den beiden ersten Teilen seiner Gesamtaufführung von Beethovens Streichquartetten und Leonidas Kavakos wird mit Enrico Pace an drei Abenden sämtliche Beethovensche Sonaten für Violine und Klavier aufführen.
Daniel Barenboim bringt mit seinem West-Eastern Divan Orchestra Beethovens Symphonie Nr. 5 und 6 zu Gehör.
Mit András Schiff sind an einem Abend sowohl Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen als auch Beethovens Diabelli-Variationen zu erleben.
Sándor Végh
Sándor Végh setzte mit seiner Camerata Academica neue Interpretationsmaßstäbe setzte. Im Gedenken an den großen Musiker werden seine engsten Freunde und musikalischen Wegbegleiter in zwei groß angelegten Konzerten Werke von Bach und Mozart bzw. Schubert und dem mit Végh befreundeten Béla Bartók zur Aufführung bringen. Gleichfalls dem Gedenken an den vor 15 Jahren verstorbenen Sándor Végh sind drei Meisterkurse gewidmet, in denen Meisterschüler des – von Végh 1972 gegründeten – International Musicians Seminar Prussia Cove Kammermusikwerke von Mozart und Schubert unter der Leitung von Steven Isserlis und András Schiff erarbeiten.
Liederabende und Solistenkonzerte
Als Liedinterpreten sind 2012 Elina Garanča, Magdalena Kožená, Thomas Hampson, Matthias Goerne, Juan Diego Flórez und José Carreras zu hören. Thomas Quasthoff widmet sich als Erzähler gemeinsam mit Michael Volle und Helmut Deutsch Johannes Brahms' Die schöne Magelone. Im Rahmen der Solistenkonzerte ist Krystian Zimerman mit einem ausgedehnten Debussy-Programm zu erleben. Daniel Barenboim gestaltet erstmals einen dreiteiligen Schubert-Zyklus mit dessen letzten drei Klaviersonaten. Darüber hinaus gibt es Solistenkonzerte mit Pinchas Zuckerman, András Schiff, Maurizio Pollini und Murray Perahia, die sich in ihren Abenden immer wieder auf die Programmschwerpunkte im Konzert beziehen.
Mozart-Matineen
Auch weiterhin steht Mozarts Œuvre im Zentrum der Matineen und außergewöhnliche Solisten interpretieren – zum Teil seltener gespielte – Werke des Mozartschen Werkkatalogs. Eine Erweiterung erfährt die Reihe allein schon durch die zeitliche Ausdehnung: In der Festspielsaison 2012 stehen nicht weniger als sieben Matinee-Programme zur Auswahl. Zugleich spiegeln sich in den Mozart-Matineen die dramaturgischen Leitlinien des Konzertprogramms wider.
Großes Finale
Der Festspielball wird in der letzten Woche umrahmt von zahlreichen großen Konzertaufführungen. Neben zwei Liederabenden mit Juan Diego Flórez und José Carreras und einer Mozart Matinee mit Marc Minkowski, Ildar Abdrazakov und Dmitry Korchak sind folgende Orchester zu Gast bei den Salzburger Festspielen:
- London Symphony Orchestra unter Valery Gergiev mit Sergej Prokojews Soluschka (Aschenbrödel), mit dem der Komponist den überwältigenden Erfolg von Romeo und Julia wiederholen konnte: eine prachtvolle Partitur, die selbst ohne Tanz in ihren Bann schlägt.
- Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattle stellen Lutos?awskis Dritten Symphonie vor und mit Yefim Bronfman Brahms' groß angelegtes Zweites Klavierkonzert, das formale Meisterschaft und tiefe Empfindung vereint.
- Das Cleveland Orchestra und sein Music Director Franz Welser-Möst knüpfen mit zwei rein slawischen Programmen an die Reihe ÜBER DIE GRENZE an. Im Zentrum steht Bed?ich Smetanas Zyklus Mein Vaterland.
- Gewandhausorchester Leipzig unter der Leitung von Riccardo Chailly. Es widmet sich Mahlers Sechster Symphonie – seiner sogenannten "Tragischen". Gerade Musiker haben das Werk seit jeher besonders geschätzt. So urteilte bereits Alban Berg lapidar: "Es gibt nur eine VI. – trotz der Pastorale."
Die Erste Symphonie von Mahler – einem Komponisten, der Mariss Jansons ganz besonders nahesteht – verdankt ihre Besonderheit nicht zuletzt der ursprünglichen Konzeption als symphonische Dichtung. Jansons dirigiert das Concertgebouworkest Amsterdam. Leonidas Kavakos ist der Solist in Bartóks Zweiten Violinkonzert, das neoklassizistische Tendenzen mit folkloristischen Elementen vereint.
Daniel Barenboim, Musikdirektor der Mailänder Scala, bringt 2012 Orchestra e Coro del Teatro alla Scala erstmals nach Salzburg: Am Programm steht Verdis Messa da Requiem mit dem Solistenquartett Anja Harteros, Elina Garanča, Jonas Kaufmann und René Pape, das den geistlichen Rahmen unseres Konzertprogramms schließt.
Sven-Eric Bechtolf zum Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele 2012
Festspiele sind die Sonntage des Theaters, wenn ihr Programm exemplarisch ist.
Dies kann aber nur erreicht werden, wenn es die Polyphonie von unterschiedlichsten KünstlerInnen, Werken, Interessen und Spielarten nicht nur zulässt, sondern befördert und bewusst repräsentiert. Um bei dieser hoffnungsfrohen Offenheit aber nicht in Beliebigkeit zu verfallen, haben wir dem Programm eine innere Struktur verordnet, die im Wesentlichen aus zehn Schwerpunkten besteht:
1. Wir wissen: Alle Projekte und Pläne die wir haben, stehen und fallen mit der Qualität der Künstler.
Der erste und gewichtigste unserer Programmpunkte muss es also sein, herausragende Künstler für die Festspiele zu gewinnen.
2. Ein weiterer, sich ebenfalls in allen Sommern fortsetzender Programmschwerpunkt, sollen die großen Stücke des Kanons sein. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Sie bilden das Bezugsystem unseres Theaterverständnisses, sie sind die Navigationspunkte an denen wir unsere Positionen bestimmen können. Sie müssen uns daher weiterhin interessieren und ihre Evidenz für jede Generation neu beweisen dürfen.
3. Ein weiteres Interesse unseres Programms, muss der Förderung junger, möglichst österreichischer Autoren gelten. Sie sind Gegenwart und Zukunft des Theaters und öffnen ihm am weitesten die Türen zu seiner Zeit.
Wir wollen, aufgrund unserer Verantwortung als eines der repräsentativsten Kulturinstitutionen in Österreich, versuchen, uns auf eine nationale Auswahl zu beschränken. Außerdem wünschen wir uns, dass der jeweilige Autor auch Festspielschreiber des jeweiligen Sommers wird, so dass wir später eine hoffentlich fünfbändige Chronik vorlegen können.
Dafür ist eine Zusammenarbeit mit dem Salzburger Verlag Jung & Jung verabredet, dem wir für sein Interesse und Entgegenkommen an dieser Stelle danken.
4. Ein nächster Schwerpunkt sollen die so genannten Kreationen werden, von uns erdachte, Sparten überschreitende oder verbindende Unternehmungen.
Dies sollen Projekte sein, die im Theateralltag nicht ohne weiteres realisierbar sind, und die eigens und so exklusiv wie möglich von und für die Festspiele konzipiert werden.
5. Ein anderer, ebenfalls langfristig angelegter Programmpunkt, wird die Einbindung internationaler Produktionen und Künstler sein. Salzburg ist seinem Anspruch nach ein internationales Festival, um diesen Ruf zu behaupten, ist es notwendig in einem fruchtbaren Austausch mit anderen Theatertraditionen und Formen zu stehen.
6. Ein ebenfalls auf Dauer angelegter Programmpunkt wird ein Stück für Kinder sein. Nicht nur weil sie das Publikum von morgen sind. Das Theater kann für Kinder eben so wichtig und beflügelnd sein wie spielen und lernen. Wir alle werden uns vermutlich noch sehr genau an unsere ersten Theaterbesuche und ihre prägenden Eindrücke auf uns erinnern. Idealerweise werden diese Kinderstücke auch Erwachsenen jeden Alters Freude machen.
7. Ein neuer Bestandteil unseres Programms wird das Figurentheater sein. Der das ganze Theaterspiel konstituierende Vorgang der Illusion und Desillusion wird kaum irgendwo deutlicher als in dieser zunächst so naiv erscheinenden Verabredung.
Das Theater ist auf die Phantasie des Publikums angewiesen, in ihr bildet sich das eigentliche Ereignis ab. Alles Theater ist daher in gewissem Grade unsichtbar und eine fein gesponnene Interaktion zwischen Bühne und Parkett. Beide Partner in diesem Dialog – Künstler und Publikum – können versagen. Theaterschaffende sind sie beide, Akteur und Zuseher, und beide sind auf die Verfeinerung ihrer Wahrnehmung angewiesen. Die Festspiele könnten, gerade mit dem Figurentheater, ein sinnliches Beispiel dieses Dialogs geben.
8. Aufgrund der großzügigen Unterstützung von Montblanc, wird das uns sehr am Herzen liegende Young Directors Project weiterhin bestehen. Wir wollen in Zukunft mit dem YDP einen ausgeglichenen Weg zwischen Förderung und Präsentation beschreiten. Wir werden daher sowohl bestehende und bereits erfolgreiche Produktionen zeigen, als auch interessante, aber noch nicht sehr arrivierte Künstler fördern. Wir haben daher vor, jährlich zwei Stücke zu produzieren und zwei Inszenierungen einzuladen, die sich bereits vor einem kritischen Publikum bewährt haben.
Gelegentlich werden wir außerhalb des Wettbewerbs Produktionen einladen, die auf besonders exemplarische Weise Aufbruch und Suche verkörpern, auch wenn sie nicht mehr den Alterskriterien des Reglements entsprechen.
9. Dramaturgische Anknüpfung und Querverbindung zum Opern- und Konzertprogramm.
10. Jedermann.
Wir möchten die erst 2010 neu überarbeitete Inszenierung von Christan Stückl, mit Nicholas Ofczarek in der Titelrolle, noch weiter zeigen. Das zentrale Thema des "Jedermanns" ist unserer Meinung nach das "Memento mori," selbstverständlich eingebunden in die religiösen Vorstellungen unserer abendländischen Gesellschaft. Oder anders ausgedrückt: Wir fürchten uns nicht vor der konfessionellen Anbindung des Stückes. Es handelt sich nun einmal um ein –wenn auch nachempfundenes – Mystery- oder Morality-Play, dies lässt sich nicht verschleiern, warum auch.
Zudem glauben wir, dass der darin noch lebendige Atem Reinhardts identitätsstiftend für die gesamten Festspiele sein kann.
Hugo von Hofmannsthal: Jedermann
Jedermann suchte das Unendliche im Endlichen, durch Häufung des Endlichen (deshalb ist ihm, er habe noch nichts genossen, mit Companie noch so wenig fröhliche Stunden verbracht, mit Sinneslust noch so wenige selige Nächte, habe erst angefangen, Mammon sich zu unterwerfen). Nun in großer Reue sieht er, daß hier das Unendliche zu realisieren ist: im grenzenlosen Sehnen, Sich-Zerfleischen. Da tritt Weisheit vor und nimmt ihn gegen sich selber in Schutz, sagt: für den Menschen ist das Unendliche nur im göttlichen Geheimniss, im Symbol faßbar.
Regie: Christian Stückl, Bühnenbild und Kostüme: Marlene Poley.
Es spielen: Martin Reinke, Ben Becker, Nicholas Ofczarek, Elisabeth Rath, Peter Jordan, Birgit Minichmayr, Robin Sondermann, Britta Bayer, Felix Vörtler, Thomas Limpinsel, Sascha Oskar Weis, Lina Beckmann, Robert Reinagl, David Supper, Riederinger Kinder, Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor.
Heinrich von Kleist: Prinz Friedrich von Homburg
Andrea Breth, Regie. Mit Peter Simonischek, Andrea Clausen, Pauline Knof, Udo Samel, August Diehl, Hans-Michael Rehberg, Hans Dieter Knebel, Gerhard König, Roland Koch, Marcus Kiepe, Daniel Jesch, Bernd Birkhahn, Branko Samarovski, Sven Dolinski, Elisabeth Orth. Begleitprogramm: Kleist-Lesungen.
Henrik Ibsen: Peer Gynt
Perner-Insel, Hallein. Irina Brook, Regie. Mit Guillaume Antonini, Helene Arntzen, Froydis Arntzen Dale, Diego Asensio, Anne-Emmanuelle Davy, Jerry Di Giacomo, Scott Koehler, Mireille Maalouf, Roméo Monteiro, Christophe Rodomisto, Augustin Ruhabura, Ingvar E. Sigurdsson, Gen Shimaoka und Shantala Shivalingappa.
William Shakespeare / Irina Brook: La Tempête
Perner-Insel, Hallein. Irina Brook, Regie. Mit Renato Giuliani, Scott Koehler, Hovnatan Avedikian, Bartholomew David Soroczynski, Ysmahane Yaqini und anderen.
Händl Klaus / Franui: Meine Bienen. Eine Schneise
Salzburger Landestheater. Nicolas Liautard, Regie. Mit Stefan Kurt, André Jung, Brigitte Hobmeier, Ein Wiltener Sängerknabe, Franui Musicbanda.
Theatre-Rites: Mojo
Perner-Insel, Hallein. Sue Buckmaster, Regie. Mit Adriano Adewale, Leo Altarelli, Robin Beer, Rachel Donovan, Sarah Fitzpatrick, Mohsen Nouri, Simon Palmer, Tanya Richam-Odoi.
Thalias Kompagnons, Nürnberg: Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär
Schauspielhaus Salzburg. Konzept und Regie: Joachim Torbahn, Tristan Vogt.
Thalias Kompagnons, Nürnberg: Kafkas Schloss
Schauspielhaus Salzburg. Joachim Torbahn, Regie, Bühne, Puppen.
Montblanc & Salzburg Festival Yyoung Directors Project
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