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Wiener Moderne

Die Maler und , der Architekt und der Universalkünstler prägten Wien um 1900 nachhaltig. Damals wie heute ist die Metropole Wien ein Zentrum und Sammelplatz für Kunst und Kreativität. Der österreichische Literat Hermann Bahr hatte zweifelsfrei recht, als er Wien um 1900 mit dem Satz charakterisierte: "Es muss damals in Wien ganz interessant gewesen sein." Viele der bekanntesten Meisterwerke auf dem Gebiet der Malerei, Architektur und Design, die heute in der ganzen Welt für Wien stehen, wurden in dieser Zeit geschaffen: etwa Gustav Klimts "Der Kuss", Egon Schieles "Bildnis Wally Neuzil", Otto Wagners und Koloman Mosers Entwürfe für die Wiener Werkstätte. Diesen vier Protagonisten ist es neben anderen zu verdanken, dass die vorvergangene Jahrhundertwende für Wien und Österreich zu einer künstlerisch so bedeutenden wurde.

Wiener Moderne: Egon Schiele
Foto © Andreas Hollinek

Wiener Moderne

Die Zeit von 1890 bis 1918 stellt einen hochinteressanten Abschnitt der österreichischen Geschichte dar. Die habsburgische Doppelmonarchie Österreich-Ungarn schwankte zwischen Schönheit und Abgrund. Zahlreiche Neuerungen in Kunst, Literatur, Architektur, Musik, Psychologie, Philosophie und der Gesellschaft prägten die "Wiener Moderne". Künstler waren die Wegbereiter, sie brachen die verkrustete Habsburger-Monarchie auf. Revolutionäres in allen Disziplinen des Lebens entstand. Bis die Grausamkeiten des Ersten Weltkrieges über den Globus fegten - eine erste Zäsur. Die zweite folgte mit dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland 1938.

Klimts Frauenporträts, Schieles schonungslose Selbstbildnisse, Wagners Ideen für eine moderne Großstadt, Mosers Designs, Sigmund Freuds Psychoanalyse, Arnold Schönbergs Zwölftonmusik, Gustav Mahlers moderne Sinfonien (beide Komponisten sind im "Haus der Musik" prominent vertreten), Ludwig Wittgensteins "Logisch-philosophische Abhandlung" (er plante auch das Wittgenstein-Haus in Wien mit) und Arthur Schnitzlers "Seelenlandschaften" waren nur einige der wichtigsten Errungenschaften dieser Zeit. Überall in Wien poppte Neues auf. In den Kaffeehäusern der Stadt - vor allem in den Cafés Museum, Central und Griensteidl - diskutierten Literaten wie Karl Kraus und Peter Altenberg mit anderen Intellektuellen und Künstlern. Architekten wie Adolf Loos, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich errichteten Bauwerke abseits des historisierenden Ringstraßen-Stils und nützten neue Materialien.

In den Salons jüdischer Großbürgerinnen diskutierten Künstler, Politiker und Wissenschaftler. Überhaupt emanzipierten sich Frauen zusehends: Alma Mahler-Werfel, Rosa Mayreder, Grete Wiesenthal, Lina Loos, Gina Kaus und Berta Zuckerkandl sind nur einige der wichtigsten.

Die Protagonisten

Wien, das 1910 zwei Millionen EinwohnerInnen (und damit mehr als heute) zählte, wurde zu einem der intellektuellen und künstlerischen Zentren Europas. In diesem Biotop von Kreativität und Aufbruchsstimmung erreichten Gustav Klimt, Egon Schiele, Otto Wagner und Koloman Moser den Höhepunkt ihres Schaffens.

Secession und Wiener Jugendstil

1897 trat Gustav Klimt mit anderen Künstlern aus dem konservativen Künstlerhaus aus und gründete unter dem Namen eine neue Künstlervereinigung. Dies gilt in der österreichischen Kunst als Geburtsstunde der Moderne. Ziel war das Gesamtkunstwerk, die Durchdringung und Verschönerung des ganzen Lebens mit Kunst. Kunsthandwerk und Kunstgewerbe wurde gleichberechtigt mit Malerei und Skulptur gesehen, Architekten und Maler betätigten sich auch als Designer und Produktgestalter.

An der Wienzeile beim Naschmarkt errichtete Joseph Maria Olbrich 1897/98 für die neue Künstlervereinigung ein modernes Ausstellungsgebäude im Jugendstil, das heute zu den bekanntesten Bauten Wiens zählt. Das Gebäude trägt mit "Secession" den gleichen Namen wie die Künstlervereinigung, über seinem Eingangsportal ist deren Leitspruch angebracht: "Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit." Im Untergeschoß der Secession ist Gustav Klimts "Beethovenfries" zu besichtigen. Das 34 Meter lange, von Klimt 1902 angefertigte Werk ist eine virtuose Interpretation von Beethovens 9. Symphonie. Die Secession ist das erste Ausstellungshaus Mitteleuropas, das der modernen Kunst gewidmet war.

Architektur des Aufbruchs

Neben der Secession, die der jungen Künstlergruppe um Klimt als Stammhaus diente, gibt es in Wien viele weitere architektonisch interessante Gebäude, die noch heute an die damalige Aufbruchsstimmung erinnern.

Es war vor allem Otto Wagner, der das Bild der österreichischen Hauptstadt prägte. Wesentlicher Bestandteil seiner Bauten waren Ornamente: Marmor, Glas, Fliesen, Metallapplikationen, bunter Stuck, florale Elemente und Vergoldungen veredelten die Häuser. Otto Wagner bevorzugte einen geometrischen Stil. Seine Gebäude sind klare, meist symmetrisch angeordnete Baukörper. Die wichtigsten Wagner-Bauten in Wien sind die Stationen der ehemaligen Stadtbahn (heute U-Bahnlinien U4 und U6), drei Häuser an der Linken Wienzeile (Nummer 38 ist mit Ornamenten von Kolo Moser geschmückt), die erste "moderne" Kirche Europas (St. Leopold am Steinhof) und die Österreichische Postsparkasse an der Ringstraße - eines seiner Meisterwerke. Ebenfalls sehenswert: Otto Wagners Villa in der Hüttelbergstraße im 14. Bezirk, in der heute das Ernst Fuchs Museum untergebracht ist, und das Nußdorfer Wehr am Donaukanal im 19. Bezirk.

Die Wagner-Schüler Josef Plečnik (1872-1957) und Max Fabiani (1865-1962) zeichnen für Heilig-Geist-Kirche bzw. Artaria-Haus und Urania verantwortlich. Oskar Laske (1874-1951) gestaltete 1901/02 die wunderschöne Engel-Apotheke im ersten Bezirk.

Im Unterschied zu den bisher genannten Architekten wehrte sich Adolf Loos (1870-1933) gegen jegliche Beschmückung seiner Häuser: Er propagierte eine funktionelle Architektur und distanzierte sich vom Jugendstil. Ein Meilenstein moderner Wiener Architektur ist sein Haus am Michaelerplatz, das er 1909 bis 1911 für das Nobelgeschäft "Goldmann & Salatsch" entwarf. An die Stelle des Ornaments trat bei diesem Bau eine schlichte Fassade. Von Loos stammt auch die "American Bar" in einer Seitengasse der Kärntner Straße. 1908 eröffnet, ist die sogenannte Loos-Bar heute mit 27 Quadratmeter Grundfläche eine der kleinsten Cocktailbars Wiens. Am Graben findet sich der von Loos gestaltete Herrenausstatter "Kniže". Und im 13. Bezirk stehen fünf Häuser dieses außergewöhnlichen Architekten.

Josef Hoffmann (1870-1956) war ein weiterer bedeutender Baumeister seiner Zeit. Er war nicht nur Mitbegründer der Wiener Werkstätte, sondern hinterließ auch architektonische Spuren in Wien: Seine Villen im 19. Bezirk sind ebenso sehenswert wie seine für die Werkbundsiedlung errichteten Wohnhäuser. Die Werkbundsiedlung im 13. Bezirk war ein Projekt des sozialen Wohnbaus und wurde in den Jahren 1930 bis 1932 von berühmten Architekten wie Hoffmann, Josef Frank, Loos und vielen weiteren errichtet. Die Häuser der Siedlung zählen zu den bedeutendsten Bauten der Moderne in Österreich.

Wiener Werkstätte

Die Durchdringung des gesamten Alltags mit Kunst war das erklärte Ziel der "Wiener Werkstätte" (1903-1932). Josef Hoffmann, Koloman Moser und der Wiener Industrielle Fritz Waerndorfer als Mäzen gründeten sie nach dem Vorbild der englischen und schottischen Arts-and-Crafts-Bewegung. Der Kunstbegriff sollte auf der Basis des Kunstgewerbes und der handwerklichen Gediegenheit erneuert werden. Nach diesem Prinzip fertigte die Wiener Werkstätte hochwertige Produkte, um alle Bereiche des alltäglichen Bedarfs zu veredeln: Möbel, Interieurs, Porzellan, Glas, Schmuck und Mode. In ihrer erfolgreichsten Zeit wurden Verkaufsstellen nicht nur in Wien, sondern auch in New York, Berlin und Zürich betrieben.

Viele von den Künstlern der Wiener Werkstätte entworfenen Produkte werden auch heute noch hergestellt: Exklusive Leuchten nach den Originalentwürfen der Wiener Werkstätte und des Jugendstils fertigt Woka Lamps Vienna. In den Schauräumen in der Innenstadt sind die hochwertigen Reproduktionen zu besichtigen und zu erwerben: Josef Hoffmanns Kristalllüster für das Palais Stoclet in Brüssel, Otto Wagners Stadtbahn-Leuchten und Adolf Loos' Entwürfe für das Wiener Herrenmodegeschäft Kniže. Die Leuchten werden ausschließlich in Handarbeit und unter teilweiser Verwendung der Originalwerkzeuge gefertigt, jedes Stück wird mit einem Echtheitszertifikat ausgeliefert.

Der Wiener Glas- und Beleuchtungshersteller Lobmeyr ist nicht nur deswegen ein Traditionsunternehmen, weil er bereits in sechster Generation als Familienbetrieb geführt wird. Auch die Zusammenarbeit mit KünstlerInnen wird in der 1823 gegründeten Firma seit langem gepflegt. Mit der Wiener Werkstätte entstanden Klassiker, die heute noch im Programm sind, etwa die Trinkglas-Serie "B" von Josef Hoffmann.

Auch die Porzellanmanufaktur Augarten realisiert bis heute Entwürfe von Josef Hoffmann. Das "Melonenservice" aus dem Jahr 1929, ein Mokkageschirr mit gerippten und bemalten Tassen, wird seit 1929 produziert, ebenso das Teeservice "Atlantis" (1930).

Die Wiener Silber Manufactur hat ebenfalls ein reiches Erbe der Wiener Werkstätte. Die heutige Manufaktur wurzelt in einem der ältesten heimischen Kunsthandwerksbetriebe und war um 1900 ein wichtiger Partner der Wiener Werkstätte. Hier sind Tafelbesteck und Schalen nach Originalentwürfen von Josef Hoffmann erhältlich sowie Kerzenleuchter, Kaffee- und Teegeschirr von Otto Prutscher, darunter das berühmte "Kürbisservice".

Das MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst verwahrt die größte in einem Museum vorhandene Sammlung von Wiener-Werkstätte-Objekten und deckt damit die gesamte Schaffensperiode der Wiener Werkstätte ab. Unter anderem besitzt das MAK den umfassendsten Bestand an Möbeln, Objekten und Entwürfen Josef Hoffmanns weltweit.

Biografie Otto Wagner

1841: Otto Wagner wird am 13. Juli in Wien geboren.
1861: Nach dem Studium an der Königlichen Bauakademie Berlin kehrt Wagner nach Wien zurück.
1862: Wagner beendet sein Studium der Architektur an der Akademie der bildenden Künste bei den Architekten Siccardsburg und van der Nüll (erbauten die Wiener Staatsoper) und übernimmt einen Job im Atelier des Ringstraßenplaners Ludwig von Förster.
1867: Teilnahme am Wettbewerb zum Bau des Berliner Doms.
1879: Entwurf der Dekoration für das Hofzelt, das anlässlich der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares im Rahmen des "Makart-Festzuges" vor dem Äußeren Burgtor errichtet wird.
1886-1888: Am westlichen Stadtrand von Wien baut Wagner eine Villa für seine Familie. In der Otto Wagner Villa I ist heute das Ernst Fuchs Museum untergebracht.
1890: Wagner bringt den ersten Band von "Einige Skizzen, Projekte und ausgeführte Bauwerke" im Eigenverlag auf den Markt. Weitere Bände folgen 1897, 1906 und 1922.
1893: Einer der beiden Preise beim Wettbewerb für den "Generalregulierungsplan" für Wien geht an Wagner. Er wird zum künstlerischen Beirat der Kommission für die Wiener Verkehrsanlagen und der Donau-Regulierungskommission bestellt. Was folgt, sind seine revolutionären Entwürfe und Bauten für die Wiener Stadtbahn (heute U4 und U6) und den Donaukanal.
1894: Ernennung zum ordentlichen Professor und zum Leiter einer Spezialschule für Architektur an der Akademie der bildenden Künste.
1898/99: Wagner errichtet drei Wohn- und Geschäftshäuser an der Linken Wienzeile: Majolikahaus, Wohnhaus mit vergoldeten Medaillons von Kolo Moser und Wohnhaus in der Köstlergasse.
1903-1907: Bau der Kirche am Steinhof nach Entwürfen Wagners.
1904: Baubeginn der Österreichischen Postsparkasse an der Ringstraße (1906 fertiggestellt).
1913: Die Villa Wagner II gleich neben der Villa I, die er 1911 verkaufte, wird errichtet.
1918: Am 11. April stirbt Wagner an Rotlauf. Sein Grab befindet sich am Hietzinger Friedhof.

Wagner-Hotspots in Wien

Österreichische Postsparkasse, Kirche am Steinhof, Wienzeile-Häuser, Wien Museum Karlsplatz, Pavillon Karlsplatz (mit Dauerausstellung), Hofpavillon Hietzing, ehemalige Stadtbahn (heute Teil der U-Bahn-Linie U4 und U6 sowie der S-Bahn S45).

Biografie Koloman Moser

1868: Koloman Moser wird am 30. März in Wien geboren.
1886: Beginn des Studiums der Formgebung und Malerei an der Akademie der bildenden Künster in Wien.
1892-93: Moser ist der Zeichenlehrer der Kinder Erzherzog Karl Ludwigs (Vater von Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und Großvater Kaiser Karls I.).
1893-95: Studium des Grafikdesigns an der Kunstgewerbeschule, wo er ab 1900 auch Professor ist.
1897: Als eines der Gründungsmitglieder der Secession entwirft er den Briefkopf und konzipiert maßgeblich die Vereinszeitschrift Ver Sacrum.
1898: Für das in diesem Jahr eröffnete Secessionsgebäude entwirft Moser Fassadenschmuck (u.a. den Fries der Kranzträgerinnen) sowie ein Glasfenster für die Eingangshalle.
1903: Gemeinsam mit Josef Hoffmann und Fritz Waerndorfer gründet er die Wiener Werkstätte. Bis 1907 ist Moser mit Hoffmann deren künstlerischer Leiter.
1904-05: Moser entwirft die Glasfenster für Otto Wagners Kirche am Steinhof.
1905: Kolo Moser tritt gemeinsam mit der "Klimt-Gruppe" aus der Secession aus.
1907: Nach Streitigkeiten mit Waerndorfer verlässt er die Wiener Werkstätte und widmet sich wieder verstärkt der Malerei.
1908: Moser nimmt an der von der "Klimt-Gruppe" organisierten Kunstschau Wien teil.
1911: Einzige Einzelausstellung Mosers in der Galerie Miethke in Wien und Teilnahme an der Internationalen Kunstausstellung in Rom.
1912: Teilnahme an der Großen Kunstausstellung in Dresden.
1916: Moser stellt bei der Wiener Kunstschaus in Berlin aus.
1918: Kolo Moser stirbt am 18. Oktober an Kehlkopfkrebs. Er wird am Hietzinger Friedhof begraben.

Moser-Hotspots in Wien

  • MAK
  • Leopold Museum
  • Kirche am Steinhof

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