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Tremor

Als Tremor wird eine sichtbare Bewegung bezeichnet, welche unwillkürlich, rhythmisch und mit einer, je nach Tremorart, typischen Frequenz auftritt. Nicht jeder Tremor ist krankhaft, denn allen Bewegungen liegt eine oszillierende Muskelaktivität zugrunde. Die Amplitude dieses Zitterns ist allerdings so gering, dass wir es im Normalfall nicht erkennen können. Sichtbar wird diese Form von Tremor erst durch Verstärkungsmechanismen, wie wir sie alle schon einmal erlebt haben: Emotionale Erregungszustände (, Streitigkeiten, traumatische Erlebnisse, usw.) können dazu führen, dass wir zittern – der "natürliche", physiologische Tremor also nun sichtbar wird. Etabliert sich ein krankhafter Tremor, so unterscheidet man drei Formen, welche auch in Kombination auftreten können:

  • Ruhetremor: Bei Entspannung sichtbar; verschwindet während einer Bewegung oder wird zumindest abgeschwächt
  • Haltetremor: Tritt bei Einnahme bestimmter Körperhaltungen auf und verschwindet in Ruhe
  • Intentionstremor: Entsteht während einer zielgerichteten Bewegung und sistiert in Ruhe

Zusätzlich wird die Tremorfrequenz (grob-mittel-fein), die Tremoramplitude sowie die Tremorlokalisation (Kopf, Arm, Hand bevorzugt) beurteilt.

Beispiele

  • Essentieller Tremor: Häufigste Tremorform, meist Haltetremor, eventuell in Kombination mit Intentionstremor; oft familiär gehäuft; bevorzugt im Hand- und/oder Kopfbereich; in der Regel gute Prognose, nur manchmal voranschreitend, Lebenserwartung nicht verkürzt
  • Parkinsontremor: Typischerweise an der Hand und in Ruhe auftretend (sog. "Pillendreh – oder Geldzähltremor"); wird durch Emotionen verstärkt und verschwindet im Schlaf bzw. während einer Bewegung; im Krankheitsverlauf treten weitere Tremorformen hinzu
  • Zerebellärer Tremor: Im Rahmen von Kleinhirnerkrankungen
  • Medikamentös- oder toxisch verursachter Tremor: Verursacht durch Kortison, Neuroleptikum, Lithium, Antidepressivum, Schilddrüsenhormon, Kalziumantagonist, Adrenalin, Schwermetall, usw.
  • Alkohol-Tremor: Feiner Ruhe- und Intentionstremor bei chronischem Alkoholmissbrauch; vor allem morgens – schwächt typischerweise nach Alkoholkonsum ab
  • Thalamustremor: Bei Infarkten oder Blutungen im Bereich einer bestimmten Gehirnregion
  • Psychogener Tremor: Grober Ruhetremor, oft ausfahrend, gehäuft in Kombination mit Schwindel, Ohnmacht oder Herzrasen
  • Dystoner Tremor: Halte- und Intentionstremor in einer Region mit Dystonie (z.B. Handtremor, Kopf-Stimmtremor)
  • Tremor im Rahmen von Grundkrankheiten: Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung, schwere Infektionserkrankung, Leber- oder Nierenerkrankung, usw.

Die Diagnose erfolgt mittels Anamnese, neurologischer Untersuchung und Abklärung möglicher Tremor-Ursachen. Therapeutisch stehen verschiedene Präparate zur Verfügung: Betablocker, L-DOPA, Anticholinergika, Antiepileptika, Benzodiazepine (Clonazepam). Bei schwerer Symptomatik und nach Ausschöpfung aller medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten kann ein operativer Eingriff im Bereich der Thalamuskerne angezeigt sein.

Lektorat dieser Seite durch
Dr. med. Simone Höfler-Speckner

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