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Der Sonderling

Autor: Johannes Hilger

Marko Faulhaber war kein echter Sonderling. Vielmehr litt er bloß unter dem Umstand, dass die Dinge und Verhaltensweisen, die ihn zu einem solchen stempelten, zur falschen Zeit kamen - zu früh oder zu spät. So trug er Jeans mit Löchern zu einer Zeit, als man dies zumindest in aller Öffentlichkeit geringschätzte - außer an einem Arbeitsplatz, der den Löchern eine Berechtigung zuwies. Oder er raschelte hörbar laut unter Wartenden mit einer großformatigen Zeitung, während all die anderen ihre Mails checkten und zusehen mussten all ihre Konversationskanäle zu klären, Emotikons zu vergeben und das und jenem ein Leik zu klicken, auch wenn man zwar das Posting nur überflogen, aber das dazugehörige Foto oder Video ansprechend empfunden hatte. Es gab eine Zeit, da trug er - weithin als solche erkennbare - Kopfhörer, während all die anderen Dinger hatten, die man sich um die Ohrmuschel hängte und/oder in den äußeren Gehörgang presste. "Schau mal Mama", fragten die Kinder, "was hat der Mann da? Sind das Ihrwormer?"

Kaum dass sich diese Mode ein weiteres Mal gedreht hatte, weigerte er sich erstaunlich lange, seinen kleinen Koffer zu entsorgen, der ja "noch wie neu" aussah, aber eben keine Rollen hatte, auf denen man ihn beim Tscheckinn oder beim Bording hätte ziehen oder schieben können. Stattdessen schob er ihn mit Fuß halbmeterweise vor sich her, was die Aufmerksamkeit einiger Passagiere und der Sekjuritti erregte, aber nach kurzem Blickkontakt ohne weitere Folgen blieb, trug er doch Brillen mit gelbem Bügel trug - was in jenen Tagen ein absolutes Nogo war und seither auch kein Reweiwal erlebte.

Marko Faulhaber wäre bestimmt ohne Kenntnisnahme durch eine breitere Öffentlichkeit wunschgemäß auf einem Waldfriedhof begraben worden. Sein Urnen-Markierungstein wäre achtlos von allerlei Pionierpflanzen überwuchert worden – wäre da nicht sein Heldentat gewesen, die nur deshalb zur Heldentat wurde, weil er ein Sonderling war und nur Sonderlinge zum imstande wären, was er vollbracht hattet. Leider ging das Wissen um diese Geschichte verloren. Aber ich werde weiter forschen, vielleicht komme ich auf die richtige Spur. Für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar: hollinek@50plus.at.

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