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Glas / Glaskunst / Glaserzeugung in Tschechien

Der Grundrohstoff zur Produktion von Glas sind Glassande (Schmelzsande). Es handelt sich um körniges, meist hell gefärbtes bis weißes Gestein (Quarzsande oder lockerer Sandstein). Außer dem Hauptbestandteil Quarz enthalten Glassande auch Körner anderer Mineralien, am häufigsten Feldspat, Glimmer und Schwermetalle wie etwa Granat, Zirkon, Turmalin, Magnetit.

Als Bindemittel kommen in der Regel Tonminerale (z.B. Kaolinit) zum Einsatz. Die größten und bedeutendsten Lagerstätten von Glassanden in der Tschechischen Republik gibt es im böhmischen Kreidebecken. Das sind die Hauptgründe dafür, dass in Böhmen (und auch Mähren) schon früh viele Produktionsstätten entstanden sind, deren Qualität Weltruhm erlangte. Die Glasproduktion gilt heute als eines der kostbarsten Kleinode des tschechischen Kulturerbes.

Die ersten Glashütten auf tschechischem Boden entstanden bereits im 13. Jahrhundert, und zwar im Erzgebirge, dem Lausitzer Gebirge, Isergebirges, im Riesengebirge sowie in Mähren. Schon ab der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde in den ältesten böhmischen Glashütten nahezu reines, nur leicht gelblich bis grünlich schimmerndes Glas aus Kalk und Kali geschmolzen, woraus bemalte Kirchenfenster, Gläser und Becher angefertigt wurden.

An der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert stellten Glasmacher aus Böhmen mit ihren Erzeugnissen das bis dahin konkurrenzlose Glas aus Venedig in den Schatten. In Böhmen wurden Gläser, Kannen, wuchtige Pokale, aber auch das in der Renaissance beliebte bemalte Glas angefertigt.

In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts schmolz Franz Kavalier in Sázava als erster ein Glas, das gegenüber Chemikalen überaus widerstandsfähig war. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts genossen Produkte aus der Glashütte Harrachov in Nový Svět (Neuwelt), der Glashütte Moser in Karlsbad und anderswo ein hohes Ansehen. In Böhmen wurden die ersten Owens-Automaten zur Produktion von Flaschen aufgestellt und eine Lösung für die maschinelle Produktion von Flachglas gefunden.

Die Frauen sind schuld

Zu einem der schönsten Bereiche der Glasproduktion gehört die Anfertigung von Glasschmuck: die Bijouterie. Schmuck ist so alt wie die Menschheit selbst und ist bis heute ein wichtiger Wegbegleiter des Menschen. "Schuld" daran sind die Frauen und ihr Wunsch, noch schöner zu sein, als sie ohnehin bereits sind.

Die Geschichte der Bijouterie in den böhmischen Ländern selbst reicht tief in die Vergangenheit zurück. Die Erfinder des ersten Glasschmucks waren die Kelten, die sich mit der Anfertigung von Glasperlen und Glasknöpfen beschäftigten. Erst sehr viel später, im 9. Jahrhundert, setzten Handwerker im Großmährischen Reich und in der Westslowakei mit der Anfertigung von Glasschmuck fort. Als Synonym für die Bijouterie, aber auch viele andere Glasprodukte gilt die Stadt Jablonec nad Nisou. Das Museum von Gablonz bietet sowohl eine Dauerausstellung, die ganzjährig geöffnet ist, als auch eine lange Liste weiterer interessanter Ausstellungen rund um das Thema Glasschmuck.

Auf den Spuren des Glases

Vom breiten Spektrum der Glasverwendung kann man sich mit eigenen Augen in Dobrá Voda (Gutwasser) bei Hartmanice überzeugen. Hartmanice (Hartmanitz) liegt im Kreis Klatovy im Böhmerwald. Die lokale St.-Gunther-Kirche schmückt ein gläserner Altar. Die beinahe 5 Meter breite und 3,5 Meter hohe Plastik, deren Einzelteile durch eine Edelstahlkonstruktion verbunden sind, wiegt rund 7 Tonnen.

Dass sich der Werkstoff Glas in der Tschechischen Republik großer Beliebtheit erfreut, zeigt die Entstehung des Gläsernen Weges, der quer durch das attraktive Wandergebiet Český ráj (Böhmisches Paradies) führt. Der Name Gläserner Weg steht für eine Wanderung zu Orten, die auf eine lange Tradition der Glasherstellung zurückblicken können. Gerade das Böhmische Paradies in Nordostböhmen ist eines jener Gebiete, die sich der Glasherstellung verschrieben haben.

Wunderschöne, von Hand gefertigte Arbeiten kann man zum Beispiel in der Glashütte in Harrachov (Harrachsdorf) finden, die auch ein eigenes Museum besitzt. Die Harrachsdorfer Glashütte Novosad a syn ist stolz auf die Produktion des höchsten Glases Tschechiens. 2008 wurde das 1,06 Meter hohe Glas in die tschechische Version des Guinness-Buchs der Rekorde eingetragen. Ihre Freude daran haben gewiss auch Bierfreunde, die in der dem Museum zugehörigen Brauerei versuchen können, einen Schluck Gerstensaft daraus zu nehmen.

Einen Großteil der führenden Adelshäuser ganz Europas schmücken wunderschöne geschliffene Lüster und gläserne Service. Die filigranen Handarbeiten stammen aus der Glashütte in Kamenický Šenov (Steinschönau). Das Museum von Kamenický Šenov bietet seinen Besuchern neben einer Besichtigung der Dauerausstellung auch Wechselausstellungen aus der Vergangenheit und Gegenwart der Glaskunst.

Crystalex in Nový Bor (Haida) ist einer der europaweit führenden tschechischen Produzenten von Haushalts- und Dekorglas. Die weltweit gehandelten Erzeugnisse erkennt man an der Marke Bohemia Crystal.

In der privaten Glashütte nahe Hluboká nad Vltavou (Frauenberg) beantwortet Ihnen ein Meister der Glasmacherkunst alles, was Sie schon immer über die Glasherstellung wissen wollten. Sie können sogar ihr eigenes Kunstwerk schaffen, seien es Vasen, Christbaumschmuck oder Glasperlen.

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