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Insekten / Insektensterben

Eine Auswertung von 73 Studien durch australischer Wissenschaftler brachte erschreckende Ergebnisse zutage: Das Insektensterben ist ein weltweites Phänomen! Es läuft um vieles rasanter ab, als bisher befürchtet. 41 Prozent der Insektenarten sind allein in den vergangenen 10 Jahren in die Gefährdungsklasse gerutscht. In den nächsten fünfzig Jahren könnte nach pessimistischen Studien die Hälfte der Arten verschwinden. Es droht der größte Artenverlust seit 400 Millionen Jahren, seit dem Devonischen Massensterben. Die Hauptfaktoren dafür sind Lebensraumverlust und Verstädterung, Vergiftung der Umwelt mit synthetischen Pestiziden und Hormonen, Einschleppung von fremdländischen Arten sowie der Klimawandel. Zentral problematisch ist die industrielle Landwirtschaft.

Insektensterben 1
Foto © Andreas Hollinek

Besonders schockierend ist auch die Erkenntnis, dass nicht nur Landinsekten gefährdet sind, sondern besonders die in Gewässern lebenden Eintagsfliegen, Libellen, Köcherfliegen usw. – also die als Larven wasserbewohnenden Insekten. Das entspricht auch den Beobachtungen in Mitteleuropa, zumindest in den Gewässern der Agrikulturlandschaft. Wo Düngemittel und Pestizide eingeschwemmt werden, verschwinden die Insekten. So zieht das Insektensterben das Verschwinden anspruchsvoller Wiesenvögel und auch Fische nach sich.

Unglaubliche 37.600 Insektenarten wurden in Österreich von den Entomologen (Fachbezeichnung für Insektenkundler) bisher nachgewiesen. Insekten sind damit die mit Abstand artenreichste Gruppe aller Lebewesen. Alarmierende Bestandsrückgänge, die letztes Jahr aus Deutschland berichtet wurden, sind zumindest für die Agrikulturlandschaften Österreichs im ähnlichen Ausmaß zu befürchten. Auch die Roten Listen gefährdeter Insektenarten Österreichs sind in den Gefährdungsausmaßen mit jenen Deutschlands vergleichbar. Die Häufigkeit an Tagfaltern ist in vielen Landwirtschaftsgebieten Österreichs innerhalb der letzten 100 Jahre auf 1 bis 0,5 Prozent gesunken! Nur die weniger erschlossenen Alpenanteile gelten noch als Rückzugsgebiete für dort angepasste Arten.

Mit den Arten- und Häufigkeitsverlusten bewegen wir uns in Richtung eines Systemversagens, das vor allem die Land- und Forstwirtschaft trifft. Bisher von "Mutter Natur" kostenfrei erbrachte Leistungen werden zunehmend fehlen. Die Bestäubung von Nutzpflanzen ist dabei nur ein Aspekt. Wesentlich ist auch die natürliche Regulierung potentieller Schädlinge oder die Erhaltung von Kreisläufen, wie etwa beim Abbau biologischen Materials und der Humusbildung.

Durch die vielschichtigen Probleme mit unserer Honigbiene hellhörig, schlug eine jüngst publizierte Langzeitstudie über die Häufigkeit von Insekten wie eine "Bombe" ein. Die Insektenhäufigkeit Mitteleuropas nahm in den vergangenen 27 Jahren um 75 bis 80 Prozent ab! Für Experten keine absolute Neuigkeit – für die Öffentlichkeit ein ernüchterndes Erwachen. Wir Menschen verändern nicht nur die Atmosphäre, wir beeinflussen allzu viele Ökosysteme in alarmierendem Ausmaß.

14.000 Insektenarten nehmen im Bestand ab

Schon 1981 listete der Steirische Naturschutzbund in Roten Listen nicht weniger als 955 gefährdete Insektenarten auf. In ganz Österreich waren es im Jahr 1983 2.100 Arten. Allerdings sind die obigen Einschätzungen schon mehr als 35 Jahre alt. Nach grober Einschätzung unserer heutigen Umweltsituation rechnet der renommierte Entomologe und Vizepräsident des Naturschutzbundes Johannes Gepp für Österreich mit 14.000 im Bestand abnehmenden Insektenarten! Viele davon sind bereits so selten, dass ihre ökologischen Funktionen nicht mehr wirksam sind. Die Mehrzahl der heimischen Insektenarten hat unterschiedliche Funktionen, viele davon halten Schädlinge als deren natürliche Feinde in Zaum. Die Reduktion von insektenverzehrenden Insekten sowie von Parasiten an Schadinsekten begünstigt das Erstarken von baumtötenden Insekten wie Borkenkäfern oder samenfressenden Insekten.

In den vergangenen vier Jahrzehnten haben wir in Mitteleuropa die auffälligsten Luftschadstoffe reduziert, die Fließgewässer durch Kläranlagen gereinigt, Lärmschutzwände errichtet… Im gleichen Zeitraum wurde die Grünlandwirtschaft in den Tallagen durch Agrartechnologie zu Intensivmais-Steppen umgewandelt. Hunderttausende, vor Jahrzehnten noch artenreiche Wiesen, wurden umgebrochen, wenige verblieben mit exotischen Gräsern durch fünf Mähzyklen artenmäßig völlig monotonisiert.

Hauptursachen hausgemacht

Nicht einmal ein Tausendstel der österreichischen Fläche verfügt über natürliche Urwälder. An die Stelle artenreicher Wiesen treten seit Jahrzehnten mehr und mehr Äcker. Die Blumenwiesen von einst werden jährlich fünfmal gemäht, lang bevor jedes Blümchen erblühen kann. Nur dort, wo es noch entlegene Blumenwiesen gibt, ist die Insektenvielfalt noch ansatzweise vorhanden. Doch kleinflächige Schutzgebiete reichen nicht aus, um das Überleben der Insekten zu sichern, denn für ihre Vermehrung liegen diese oft viel zu weit voneinander entfernt.

Der Naturschutzbund erarbeitet gerade umfassende Vorschläge, um den Insekten zu helfen und zeigt Möglichkeiten auf, wie sich jede und jeder an der Rettung der heimischen Vielfalt beteiligen kann. Wir brauchen ein ausgewogenes Nebeneinander von Kultur- und Naturlandschaft. Ohne strategischen Naturschutz werden wir bald artenarm erwachen!

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