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Tinzlmesse

Es sind beeindruckende Szenen, die sich alljährlich am zweiten Sonntag des Jahres in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Schwaz abspielen. Dieser Sonntag ist der Tag, an dem die Zünfte der Stadt zu einem Festgottesdienst zusammenkommen, um gemeinsam für das vergangene Jahr zu danken und um ein gesundes neues Wirtschaftsjahr zu bitten.

Diese Tradition reicht ins 16. Jahrhundert zurück, wobei aber früher jede Zunft ihre eigenen Messtag hatte und regelmäßig sogenannte "Meisterrunden" abhielt. Diese Meisterrunden sind etwas Besonderes; etwas Bizarres sogar. Das Frundsbergfähnlein etwa, das an das alte Schwazer Adelsgeschlecht erinnert, ist eine illustre Gemeinschaft, deren Mitgliederzahl streng limitiert ist und die im Rahmen der Tinzl-Messe in mittelalterlichen Gewändern eine Brücke zurück in die Entstehungszeit der Zünfte schlägt. Dem Frundsbergfähnlein durften von jeher nur Meister angehören, die auch Hausbesitzer waren.

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Weniger streng, aber nicht weniger stolz präsentieren sich bei der Tinzlmesse die Montagsrunde oder die Micheli-Runde und nicht zu vergessen die Kolpingfamilie Schwaz – der traditionelle "Gesellenverein". Der Name der Meisterrunden ist Programm, treffen sich in ihrem Rahmen doch die Meister verschiedener Zünfte, um sich auszutauschen, zu "hoangarten" und sich gegebenenfalls zu helfen. "Heute würde man das Netzwerken nennen", sagt Vizebürgermeister Martin Wex. "Auch heute ist das wichtig für den Zusammenhalt und die Wertschöpfung in der Stadt." Die in der Wirtschaftskammer organisierten Sparten sind in gewisser Weise die Fortsetzung der Zunfttradition – in Schwaz aber sind auch die alten Gemeinschaften erhalten geblieben.

Als die Tinzl-Messen langsam in Vergessenheit zu geraten drohten – wirtschaftliche Not war wohl der Grund dafür – übernahmen die Tabakwerke Schwaz die Tradition dieses ehrwürdigen Tages der Zünfte und retteten die Tinzlmesse gleichsam ins 21. Jahrhundert. 2005 wurde die letzte Messe unter Schirmherrschaft der Tabakwerke zelebriert und nach Schließung der "Fabritten" war es die Stadt Schwaz, die das Brauchtum nicht nur weiterführte, sondern zum Glanz der heutigen Tinzlmessen ausbaute.

Im Mittelpunkt der Messe stehen die 24 Zunftstangen, die den Patron des jeweiligen Gewerks zeigen. Zahlreiche der kunstvoll gestalteten Stangen stammen aus dem 16. Jahrhundert, haben die turbulenten Jahrhunderte "überlebt" und wurden seit 1974 um weitere neun Zunftstangen für die neu entstandenen Berufe ergänzt. Übers Jahr stehen sie in der Pfarrkirche Schwaz und werden nur zur und zur Tinzlmesse getragen. "Wir laden nicht nur die Zünfte, sondern auch die ehemaligen Tabakfabriksmitarbeiter und die ganze Wirtschaft der Stadt ein, die Messe gemeinsam zu begehen", sagt Martin Wex. Zum Ausklang wird eine Tinzl-Suppe gereicht und selbstverständlich die Möglichkeit zum "Hoangascht" geboten. "Das hat schon viel Zusammenhalt gebracht", weiß Reinhard Hechenblaickner. Dieses Ziel bleibt ewig jung und wichtig.

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