Autor: Andreas Hollinek

Als Kellner in einem 4-Stern superior muss man buckeln. Zum Beispiel wenn einer kommt und moniert, dass der Tisch wackle. Dies deshalb, weil eines der Beine in einem Regenabflussgitter am Rande der Terrasse zu stehen komme. Der Hausmeister des Hotels möge kommen und ein kleines Blech in das Gitter einfügen. Das gehe. Als Kellner muss man dann bekunden, dass man das Problem verstehe und man den Hausmeister verständigen werde – auch wenn er gerade an einer anderen Herausforderung arbeite und man nicht versprechen könne, ob er sich sofort um die Angelegenheit kümmern werde. Diesfalls jedoch muss man unmissverständlich betonen, werde man dafür Sorge tragen, den Tisch mit einem anderen Tisch zu tauschen. Auch muss man sich dafür entschuldigen, dass das Frühstücksei zu weich geworden sei und keinesfalls die angegeben fünf Minuten stimmen könnten auch nicht 400 Meter über dem Meer. Oder, dafür, dass man leider nicht wisse, welcher Berg das da drüben sei.
Kellnerinnen in einem 4-Stern superior müssen auch öfter einmal zwanzig Euro nehmen, um einem Gast – obwohl er dies gut und gern selbst könnte – ausgewählte Köstlichkeiten vom Frühstücksbuffet zu bringen. Nehmen sie den Schein, sind sie auch schon Komplizinnen. Dann gibt es kein zurück. Sie müssen sich mit einem Lächeln bedanken und wissen, was genau er möchte. Macht er den Teller leer, können sie mit einer weiteren Chance rechnen. Andernfalls kommen Kolleginnen an die Reihe. Für mehr Euro erwartet er mehr. Über die Saison summiert sich das. Auch nachts. Da ist es gut, dass man von halb sieben an schon gearbeitet hat – abzüglich eineinhalb Stunden Pause, aber abseits.


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