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Lebensphase hohes Alter

Buchbesprechung des Titels von Andreas Kruse: Lebensphase hohes Alter: Verletzlichkeit und Reife. Springer Verlag 2017. 495 Seiten; Hardcover.

Andreas Kruse: Lebensphase hohes Alter: Verletzlichkeit und Reife
Foto © Andreas Hollinek

Andreas Kruse hat eines der herausragendsten Bücher zum Thema bzw. hohes Alter geschrieben. Indem er die in manchen Lebensphasen des Menschen verstärkte "Verletzlichkeit" und das Wertschätzungspontenzial "Reife" mit in den Untertitel verpackt hat, weist er den Leser gleich an prominenter Stelle darauf hin, was seiner Meinung nach die beiden Brennpunkte seiner Recherchen und Ausführungen sind.

Nach einer Einführung beleuchtet er zunächst die Frage, was den Alter bzw. Altern denn eigentlich ist und bilanziert dessen Gewinn und Verluste in einer "Außensicht" und einer "Innensicht". Nach einer Reihe von wissenschaftlichen Exkursen schließt dieses Kapitel mit der Darstellung von Altersbildern, Rollenerwartungen und der Gestaltung des eigenen Alterns. Im dritten Kapitel werden die Potenziale des hohen Alters noch weiter vertieft (Introversion mit Introspektion, Offenheit, Sorge, Wissensweitergabe). Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der "Weltgestaltung" als Ausdruck von Sorge um und Sorge für Andere. Im darauffolgenden Kapitel erweitert er seine Ausführungen um die Faktoren erhöhte Verletzlichkeit, Resilienz, Reifungsmöglichkeiten und Reifungsgrenzen. In Kapitel 5 umreißt er die Rahmenbedingungen einer gelingenden Verarbeitung und der Bewältigung von Verletzlichkeit. Kapitel 7 beschäftigt sich dann konkrete mit dem Thema .

Kapitel 8 ist den pflegenden Angehörigen gewidmet. Wie sehen diese die "Verletzlichkeit im hohen Alter", wo liegen deren Herausforderungen bei der Pflege, welche Krisen machen sie durch, welche Reifeprozesse sind typisch? Zur Verständniserweiterung beschreibt er eine psychologische Wachstumsperspektive, eine psychologische Interventionsperspektive und eine sozialgesetzliche Perspektive für die Rahmenbedingungen bei der Angehörigenpflege.

Im abschließenden Kapitel animiert Andreas Kruse die LeserInnen und die Gesellschaft, die Würde im Alter zu erkennen, anzuerkennen, lebendig werden zu lassen. Er plädiert dafür, die Degradierung und Demütigung betagter Menschen hintanzuhalten, Verletzlichkeit als Positivum zu sehen und den Prozess des menschlichen Reifens und der Reife mehr Wertschätzung angedeihen zu lassen. Besonders gut gefällt mir auch der abschließende kunstphilosophische Exkurs zu Rambrandt von Rijns "Selbstbildnis" – inklusive Rembrandts gereifter Lebensmaxime: "Wenn ich meinen Geist ausspannen will, suche ich nicht Ehre, sondern Freiheit."

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