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Chronische Schmerzen

Rund ein Viertel aller MitteleuropäerInnen leiden an , die keinem akuten Krankheitsgeschehen zugerechnet werden können bzw. nicht unmittelbare Folge einer Verletzung sind. Diese chronischen Schmerzen haben einen stark negativen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen. Als Definition für chronische Schmerzen gilt eine Schmerzdauer von länger als 12 Wochen plus eine regelmäßige Wiederkehr der Schmerzattacken. Betroffen können prinzipiell Menschen jeden Alters sein, bei 40- bis 70-Jährigen ist jedoch eine deutliche Häufung feststellbar.

chronische Schmerzen
Foto © Andreas Hollinek

Die Behandlung von dauernden und wiederkehrenden Schmerzzuständen ist nicht einfach. Sie erfordert ein Zusammenwirken mehrerer medizinischer Disziplinen. Ein Schlüsselposition nehmen dabei die NeurologInnen ein. Da Schmerzen aber immer auch eine psychische Komponente haben, ist das Hinzuziehen von PsychotherapeutInnen wichtig. Weil sich Behandlungserfolge erst nach einigen Wochen bis Monaten einstellen, kann die Sache für die Betroffenen durchaus teuer werden, zumal sich die Krankenkassen bei der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen als nicht sehr großzügig erweisen.

  • Tipp: Gut bewährt bei chronischen Schmerzen haben sich auch – obgleich es auf diesem Gebiet kaum wissenschaftliche Ausführungen gibt, die als Behandlungsanleitung für die Eigenbehandlung dienen könnten.

Mit KI gegen Chronische Schmerzen?

Ein Interview mit DGS-Präsident Dr. Richard Ibrahim über Ursachen, chronische Verläufe und die Rolle digitaler Gesundheitsanwendungen bei Rückenschmerzen.

Rückenschmerzen sind nach wie vor die häufigste Form chronischer Schmerzen in Deutschland. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) nutzt den Tag der Rückengesundheit am 15. März, um für eine bessere Prävention und Versorgung zu sensibilisieren. Dr. Richard Ibrahim, Orthopäde, Schmerzmediziner und DGS-Präsident, erklärt, warum der Weg von der Hausarztpraxis zu spezialisierten Medizinern entscheidend ist – und warum moderne Schmerztherapie heute weit mehr ist als Tabletten und Operationen.

Frage: Herr Dr. Ibrahim, was sind derzeit die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen?

Dr. Richard Ibrahim: Rückenschmerz ist ein Symptom mit unterschiedlichen Ursachen. Von Muskel- und Gelenkproblemen bis hin zu Veränderungen im Bereich des Spinalkanals kann vieles eine Rolle spielen. Zuletzt sahen wir vor allem unfallbedingte Rückenschmerzen – etwa durch Stürze beim Wintersport oder auf vereisten Wegen. Wenn man nicht richtig reagiert, können daraus leider schnell chronische Beschwerden werden.

Frage: Ab wann spricht man von chronischem Rückenschmerz – und was bedeutet das für Betroffene?

Dr. Richard Ibrahim: Chronisch bedeutet zunächst nur, dass Schmerzen länger als drei bis sechs Monate bestehen. Das ist keine Prognose, sondern eine zeitliche Definition. Entscheidend ist, dass in dieser Phase neben körperlichen Faktoren auch Schlafstörungen, Stress, Ängste oder depressive Verstimmungen eine Rolle spielen. Schmerz entwickelt sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild. Deshalb braucht es eine multimodale Therapie, die Bewegung, medizinische Behandlung und psychologische Aspekte kombiniert.

Frage: Wann reicht die Behandlung durch Haus- oder Fachärzte nicht mehr aus?

Dr. Richard Ibrahim: Das Versorgungssystem ist sinnvoll gestuft aufgebaut. Aber wenn Schmerzen chronisch werden und Standardtherapien nicht greifen, sollte eine spezialisierte Schmerztherapie erfolgen. Hier kommen auch Fachärzte an ihre Grenzen, daher sollte man sich zu einem Arzt oder einer Ärztin mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ überweisen lassen. Dort stehen deutlich erweiterte Therapieoptionen zur Verfügung – etwa spezialisierte medikamentöse Strategien, interventionelle Verfahren oder strukturierte multimodale Programme.

Frage: Wann ist eine Operation nötig? Und wie findet man Spezialisten?

Dr. Richard Ibrahim: Akute Fälle mit Warnsignalen wie Lähmungen, Schwäche in den Beinen oder Entzündungen erfordern rasches Handeln. In solchen Fällen kann eine Operation notwendig sein, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Bei chronischen Rückenschmerzen gilt jedoch: Zunächst werden alle konservativen und multimodalen Therapieoptionen ausgeschöpft. Schmerzmedizin arbeitet interdisziplinär – wir stimmen uns eng mit Orthopädie, Neurochirurgie, Psychologie und weiteren Fachrichtungen ab. Eine operative Maßnahme erfolgt nur dann, wenn sie medizinisch wirklich indiziert ist und im gemeinsamen Konsens aller beteiligten Disziplinen sinnvoll erscheint.

Frage: Viele Betroffene wünschen sich vor allem eines – schmerzfrei zu sein. Wie realistisch ist das?

Dr. Richard Ibrahim: Der Wunsch nach Schmerzfreiheit ist absolut verständlich. Unser Ziel ist es jedoch in vielen Fällen zunächst, Schmerz zu reduzieren und Funktion wiederherzustellen. Chronischer Schmerz lässt sich nicht immer „wegoperieren“ oder „wegmedikamentieren“. Entscheidend ist, dass Patienten wieder aktiv werden, Bewegung nicht aus Angst vermeiden und lernen, mit dem Schmerz umzugehen, ohne dass er ihr Leben bestimmt.

Frage: Welche Rolle spielen KI und digitale Gesundheitsanwendungen dabei?

Dr. Richard Ibrahim: Digitale Tools sind eine wichtige Ergänzung. In der ärztlichen Sprechstunde bleibt oft wenig Zeit für ausführliche Erklärung oder wiederholte Anleitung. Rückenschmerz-Apps auf Rezept, Podcasts oder virtuelle Anwendungen ermöglichen es, Inhalte zu vertiefen, Übungen regelmäßig durchzuführen und Ängste vor Bewegung abzubauen. KI erkennt dabei Fehlhaltungen und passt Übungen individuell an. Die digitalen Hilfsmittel ersetzen keine ärztliche Behandlung – aber sie unterstützen sie. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen kann das helfen, langfristig Verhaltensänderungen zu stabilisieren.

Frage: Wo finden Betroffene Orientierung?

Dr. Richard Ibrahim: Informationen bietet die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin über ihre Website (www.dgschmerzmedizin.de) und ihre Landeszentren in allen Bundesländern. Haus- und Fachärzte können zudem gezielt an spezialisierte Schmerzmediziner überweisen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hintergrundinfos bei chronischen Schmerzen

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